Akupunktur bei Rückenschmerzen
Rückenschmerzen sind der häufigste Grund, aus dem Menschen in meine Praxis kommen – vom akuten Hexenschuss, der die Bewegung von einem Moment auf den anderen blockiert, bis zu Beschwerden im unteren Rücken, die jemanden seit Jahren begleiten.
Akupunktur ist bei Rückenschmerzen eines der am besten untersuchten Anwendungsgebiete überhaupt. Sie wirkt schmerzlindernd, löst Verspannungen und verbessert die Beweglichkeit – ohne Medikamente und ohne Nebenwirkungen, die den Alltag einschränken.
Wie ich vorgehe, hängt davon ab, ob Ihre Beschwerden akut sind oder chronisch. Am Anfang steht in jedem Fall eine Untersuchung.
Akute Rückenschmerzen
Akute Rückenschmerzen entstehen häufig aus einer unglücklichen Bewegung, nach schwerem Heben oder nach langem Sitzen in schlechter Position. Typisch ist eine schmerzhafte Bewegungssperre, oft einseitig, häufig mit deutlich tastbarer Verspannung der umliegenden Muskulatur.
Hier bessert sich die Situation häufig schon nach der ersten oder zweiten Behandlung. Bei starken akuten Schmerzen behandle ich in den ersten ein bis zwei Wochen auch drei Mal wöchentlich, um den Schmerz zügig zu unterbrechen – das verhindert, dass sich eine Schonhaltung einschleift, aus der später ein chronisches Problem wird.
Chronische Rückenschmerzen
Von chronischen Rückenschmerzen spricht man, wenn die Beschwerden länger als drei Monate bestehen oder immer wieder zurückkehren. Die Ursachen sind meist zusammengesetzt: muskuläre Dysbalancen, Fehlhaltungen wie das Upper- und Lower-Cross-Syndrom, Bewegungsmangel, langes Sitzen – häufig kommt eine Schonhaltung dazu, die das Problem unterhält.
Chronische Beschwerden brauchen mehr Geduld als akute. Erfahrungsgemäss sind drei bis fünf Behandlungen nötig, bis eine Besserung spürbar wird; begonnen wird in der Regel mit zwei Sitzungen pro Woche. Ziel ist nicht nur weniger Schmerz, sondern wieder mehr Bewegungsumfang – denn Bewegung ist das, was den Rücken langfristig stabil hält.
Vor der ersten Nadel steht die Untersuchung
Jede Behandlung beginnt bei mir mit einem Assessment. Ich frage nach Verlauf, Auslöser und Charakter des Schmerzes, sehe mir Haltung und Bewegung an und taste die betroffene Region ab. Erst daraus ergibt sich, wo behandelt wird – und ob überhaupt Akupunktur das Richtige ist.
Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Der häufigste Grund, warum eine Akupunkturbehandlung bei Rückenschmerzen nichts bringt, ist eine Behandlung nach Schema statt nach Befund.
Wann ich nicht behandle, sondern überweise
Nicht jeder Rückenschmerz gehört in eine Akupunkturpraxis. Bei bestimmten Warnzeichen breche ich die Behandlung ab oder beginne sie gar nicht erst, sondern verweise Sie an einen Arzt. Dazu zählen:
- Kraftverlust, Taubheit oder zunehmende Ausfälle in einem Bein
- Taubheit im Gesäss- und Genitalbereich sowie Störungen von Blase oder Darm – das ist ein Notfall
- Schmerzen nach Sturz oder Unfall
- Fieber, ungewollter Gewichtsverlust oder Nachtschweiss
- Nachtschmerz, der sich in keiner Position bessert
- bekannte Tumorerkrankung oder Osteoporose in der Vorgeschichte
Das ist keine Einschränkung der Akupunktur, sondern die Voraussetzung dafür, dass sie sicher eingesetzt wird.
Elektroakupunktur – mein Schwerpunkt bei Rückenschmerzen
Bei der Elektroakupunktur werden einzelne gesetzte Nadeln mit einem schwachen, niederfrequenten Strom verbunden. Der Reiz lässt sich dadurch gleichmässiger und gezielter dosieren als bei der Stimulation von Hand – gerade bei Rückenschmerzen und bei orthopädischen Beschwerden ist das ein Vorteil.
Nicht zu verwechseln ist das Verfahren mit der sogenannten Elektroakupunktur nach Voll, einem diagnostischen Messgerät. Das setze ich nicht ein.
Was die Studienlage sagt
Rückenschmerz ist das am besten untersuchte Einsatzgebiet der Akupunktur. Die wichtigste Untersuchung im deutschsprachigen Raum ist die GERAC-Studie (Haake et al., 2007) mit 1162 Patientinnen und Patienten. Ergebnis: Akupunktur war bei chronischem Kreuzschmerz fast doppelt so wirksam wie die medikamentös gestützte Standardversorgung, und der Effekt hielt über mindestens sechs Monate an. Diese Studie ist der Grund, weshalb Akupunktur bei chronischem Rückenschmerz in Deutschland von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird.
Bemerkenswert an GERAC ist, dass auch eine oberflächliche Vergleichsbehandlung deutlich besser abschnitt als die Standardtherapie. Die Forschung beschäftigt sich seitdem intensiv damit, wie stark und wie lange ein Reiz gesetzt werden muss – einer der Gründe, warum ich bei Rückenschmerzen mit Elektroakupunktur arbeite.
Eine Meta-Analyse von 2012 kam zum Schluss, dass Akupunktur bei chronischen Rücken- und Nackenschmerzen die Schmerzstärke deutlich reduziert. Eine Übersichtsarbeit in Current Opinion in Anesthesiology hält fest, dass die Evidenz für Rücken-, Nacken-, Schulter- und Knieschmerzen sowie Kopfschmerzen zunimmt.
Häufige Fragen zur Akupunktur bei Rückenschmerzen
Tut Akupunktur weh?
In der Regel nicht. Akupunkturnadeln sind deutlich dünner als eine Injektionsnadel; das Einstechen spüren die meisten Patientinnen und Patienten kaum. Am Punkt selbst kann ein kurzes, dumpfes Druck- oder Schweregefühl entstehen, das nach wenigen Sekunden nachlässt.
Wie lange dauert eine Sitzung?
Für die Erstbehandlung rechnen Sie am besten eine Stunde ein. Folgebehandlungen dauern in der Regel 30 bis 60 Minuten – je nachdem, welche Verfahren neben der Akupunktur zum Einsatz kommen.
Wie viele Sitzungen brauche ich bei Rückenschmerzen?
Das hängt davon ab, ob die Beschwerden akut oder chronisch sind. Bei akuten Rückenschmerzen tritt eine Besserung häufig schon nach der ersten oder zweiten Behandlung ein; bei starken akuten Schmerzen behandle ich die ersten ein bis zwei Wochen auch drei Mal wöchentlich, um die Schmerzen rasch in den Griff zu bekommen. Chronische Rückenschmerzen brauchen erfahrungsgemäss länger – meist drei bis fünf Behandlungen, bis eine Besserung spürbar wird. Üblich ist ein Beginn mit zwei Sitzungen pro Woche.
Arbeiten Sie mit Elektroakupunktur?
Ja, sie ist mein Schwerpunkt. Dabei werden einzelne Nadeln mit einem schwachen, niederfrequenten Strom verbunden. Gerade bei Schmerzen sowie bei orthopädischen und neurologischen Beschwerden lässt sich der Reiz damit gleichmässiger und gezielter dosieren als von Hand. Nicht zu verwechseln ist das mit der sogenannten Elektroakupunktur nach Voll – einem diagnostischen Messgerät, das ich nicht verwende.
Zahlt die Krankenkasse?
In der Schweiz läuft Akupunktur über die Zusatzversicherung (VVG), nicht über die Grundversicherung. Meine Praxis ist bei allen Schweizer Krankenkassen anerkannt – über die Registrierung bei EMR und ASCA – und rechnet nach dem schweizweit gültigen Tarif 590 ab. Wie viel Ihre Kasse zurückerstattet, ist von Vertrag zu Vertrag unterschiedlich; ein kurzer Anruf bei Ihrer Krankenkasse vor der ersten Behandlung schafft Klarheit. Mehr dazu unter Behandlung & Kosten.
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